Fokus: Nationalismus & Rechtspopulismus

Diese Informationen sind nicht mehr auf dem allererneuesten Stand. Für die aktuellste Übersicht siehe: https://www.facebook.com/events/1905917959459923/

Samstag, 14-16 Uhr

Der Fokus der meisten Workshops/Vorträgen in diesem Slot liegt auf den Themen Nationalismus & Rechtspopulismus. Nähere Informationen, weitere Workshops und Rauminformationen werden laufend ergänzt!

RECHTSPOPULISMUS UND NATIONALISMUS

Carina Book – Die Neue Rechte in Hamburg – Über Identitäre, AfD und ihr Netzwerk [Vortrag&Diskussion]

„Die alte Rechte ist tot. Sie hat es wohl verdient“, stellte der rechte Vordenker Alain de Benoist in den 1970er Jahren fest. In seiner Schrift „Kulturrevolution von rechts“ legte er dar, dass die Studentenbewegung der 1968er Jahr in Deutschland, den „Kampf um die Köpfe“ geführt und dadurch eine „totalitäre kulturelle Hegemonie“ erlangt habe (Benoist 1985). Die Herausforderung der neuen Rechten sei nun, diese kulturelle Hegemonie selber zu erkämpfen. Diesem Kampf verschreibt sich ein ganzes Spektrum extrem rechter Akteure. Unter ihnen die Partei AfD. Sie galt einst als eine eurokritische Professorenpartei, heute will sie sich „ihr Volk zurückholen“ und die Bundeskanzlerin „jagen“ (Alexander Gauland). Wenn sie an die Macht kämen, werde „ausgemistet“ (Markus Frohnmaier). Auch die Identitären verstehen sich und ihren Aktivismus in diesem Geiste und sagen von sich selbst, sie seien eine metapolitische Gruppe. Die Alte Rechte hingegen, habe Macht immer nur militärisch denken können. Das sei ein Fehler gewesen, den die Identitären nicht wiederholen wollen, schreiben sie in internen Papieren. Stattdessen orientierten sie im Kampf gegen das behauptete totalitäre „Multikulti-Regime“ auf Aktionen auf der Straße und im „Infokrieg“.
Wie sieht der Kampf der „Neuen Rechten“ aus? Was ist daran wirklich neu? Wer sind die Akteure in Hamburg? Und was können vernünftige Gegenstrategien sein?

Carina Book ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin

Prof. Dr. Freerk Huisken – Wie man die Ausländerfeindlichkeit von AfD und Pegida kritisieren sollte und wie besser nicht. [Vortrag&Diskussion]

Wenn es die BILD ist, die sich vor Kurzem mit Kampagnen gegen die „Lügen“ von Pegida, AfD oder NPD über Flüchtlinge massiv eingeschaltet hat, halten das kritische Menschen für unglaubwürdig. Es sei doch gerade die BILD gewesen, die über Jahrzehnte massiv gegen Ausländer gehetzt und damit die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland angeheizt habe, heißt es durchaus zutreffend. Wenn dieselben Argumente gegen Rechtspopulismus aber von der SPD, der Linken, den Grünen, dem DGB oder den Kirchen kommen, dann soll merkwürdigerweise an ihnen nichts auszusetzen sein.

Was wäre denn zu der Parole „Flüchtlinge nehmen uns die Jobs weg“ zu sagen? Soll man, wie es von BILD bis zum DGB üblich ist, darauf verweisen, dass Ausländer hier auch Arbeitsplätze geschaffen haben? Soll man darauf deuten, dass ohne Flüchtlinge die „Drecksarbeit“ an den Deutschen hänge bliebe? Soll man dem entgegensetzen, dass doch in Deutschland ein Fachkräftemangel herrscht?

Meine Behauptung lautet: Diese und andere „Argumente gegen Stammtischparolen“ (K.-P. Hufer) taugen nichts. Sie lassen sich auf die Logik der Rechten ein und bestätigen den ausländerfeindlichen Nationalismus mehr, als dass sie ihn angreifen. Das soll auf dem Workshop begründet und zugleich aufgezeigt werden, wie der Nationalismus in den Parolen von AfD, Pegida und NPD zutreffend kritisiert werden muss. Wenn sich dabei herausstellen sollte, dass bei der Befassung mit der Ausländerfeindlichkeit von Rechten immer auch so Einiges von den ausländerpolitischen Vorstellungen ihrer Kritiker auf dem Prüfstand steht, dann wäre das allein der Sache geschuldet.

Freerk Huisken ist Professor im Ruhestand an der Universität Bremen mit dem Schwerpunkt Politische Ökonomie des Ausbildungssektors.
2012 veröffentlichte er bei VSA: »Der demokratische Schoß ist fruchtbar… Das Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus«, im Frühjahr 2016 erschien sein Standardwerk zur Kritik der »Erziehungim Kapitalismus« in einer aktua lisierten Neuausgabe.

Veronika Kracher – Of Frogs and Men. Zur Geschlechterideologie der Alt-Right [Workshop]

Die traditionelle Männlichkeit befindet sich in einer Krise. Die Frauenquote, LGBTQ-Bestrebungen, hyperpotente Einwanderer: all das kann für den Durchschnittsmann ganz schön bedrohlich wirken. Kein Wunder also, dass da mancher verzweifelt wieder reaktionäre Vorstellungen von Geschlecht, Familie und Sexualität aufgreift und auf die Straße, in die Parlamente oder ins Internet tragen will. Wer vor allem von dieser Krise profitiert, ist die Bewegung der neuen Rechten. Antifeminismus ist ein integraler Bestandteil der neurechten Ideologie, die momentan in den USA, und Europa sowohl inner- als auch außerparlamentarisch erstarkt. Gerade das Internet ist zum wichtigen Schlachtfeld der Neuen Rechten geworden. Vertreter der amerikanischen “Alt-Right”, die als Internetphänomen begann, sind inzwischen Mitglieder im Stab Donald Trumps und spielen auch anderweitig politisch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Memes wie “Pepe, the Frog” sind zu einem faschistischen Symbol avanciert, in Subreddits wie “The_Donald” oder “Men going their own way” haben sich User eine rassistische und sexistische Echokammer geschaffen, die Identitäre Bewegung wirbt ihre Mitglieder auf Twitter und Instagram. Die maskulinistische Online-Subkultur der „Involuntary Celibates“ beginnt, ihren bisher in erster Linie im Internet propagierten frauenfeindlichen Terror auf die Straße zu tragen: Alek Minassian ermordete im April in Toronto zehn Menschen unter dem Vorzeichen der „Incel-Rebellion“, deren Ziel die konsequente Unterwerfung aller Frauen ist.

Das Geschlechterbild der Neuen Rechten artikuliert sich in der Aufwertung weißer Männlichkeit durch die permanente Abwertung des Nicht-Männlichen, als auch des vermeintlich Fremden. Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus treten hier nicht zufällig zusammen auf, sondern bedingen sich gegenseitig in dem Versuch einer verschwörungsideologischen Welterklärung, die im Vortrag mit einem besonderen Fokus auf die amerikanische Alt-Right analysiert wird.

Veronika Kracher studiert(e) Literaturwissenschaften und Soziologie in Frankfurt und Mainz, mit Fokus auf ideologiekritische und feministische Literatur- und Gesellschaftstheorie. Nebenbei schreibt sie als freie Journalistin unter anderem für die „konkret“, „Jungle World“ und „taz“, hauptsächlich über feministische Themenfelder. Ansonsten tourt sie gerade mit der schwulen Marx-Lesung „The Cummunist Manifisto“ durch die Bundesrepublik, um bei Schnaps und Gürkchen darüber zu berichten was auf der 1. Internationalen wirklich so passiert ist.